Wegkreuze

Wegkreuze und Prozessionswege

Auf Gebiet der Pfarrei/Gemeinde Bösingen steht rund ein Dutzend Weg- oder Feldkreuze. Sie werden als überliefertes Kulturgut von den Anwohnern liebevoll gepflegt und unterhalten.
Seit Ostern 2013 steht in Uttewil, bei der Kreuzung der Gemeindestrassen von Grenchen bzw. von Fendringen nach Elswil, ein neues Wegkreuz. Alois Käser, Nachkomme einer Bauernfamilie, die seit Generationen in Uttewil ansässig ist und das Kreuz pflegt, mochte nicht mehr zusehen, wie das alte Kreuz zerfällt. Auf eigene Kosten gab er deshalb letzten Winter René Birbaum in Wallenbuch, die Herstellung eines neuen Kreuzes in Auftrag. Birbaum hatte bei ihm die landwirtschaftliche Lehre absolviert und später zusätzlich das Zimmermanns-Handwerk gelernt. Den metallenen Korpus hat Alois Käser selber erneuert und mit dem ursprünglichen Belag aus Silberbronze versehen. Eigentlich wäre die Gemeinde als Landeigentümerin auch für den Unterhalt des Wegkreuzes zuständig. Alois Käser ist froh, dass die Gemeindearbeiter ihm wenigstens beim Demontieren des alten und beim Aufstellen des neuen Kreuzes geholfen haben. Abbé Patrick Hungerbühler hat am 17. September 2013 das neue Kreuz gesegnet.
Alois Käser kann sich erinnern, dass das Kreuz letztmals 1956 erneuert wurde. Sein Vater, Josef Käser-Boschung, habe damals eigens eine Eiche gefällt für die Errichtung eines neuen Kreuzes. Um diese Zeit hat Ueli Schnyder als Ersatz für einen alten Nussbaum eine junge Linde gepflanzt.
Die Geschichte des Wegkreuzes von Uttewil reicht offensichtlich weit in die Vergangenheit zurück. Im Freiburger Volkskalender 1937 heisst es dazu: „Als dieses zerfiel und verschwand, taten sich die Familien Käser und Nussbaumer in Uttewil zusammen und liessen 1918 ein neues Wegkreuz erstellen. In früheren Jahren zogen die Bösinger an den Bitttagen bis hier herauf. Das schöne Kreuz bleibt auch in seiner Einsamkeit das stolze Wahrzeichen unseres Glaubens.“ Bei der erwähnten Familie Käser handelt es sich um die Vorfahren von Alois Käser und die Familie Nussbaumer bewirtschaftete den Bauernhof, der heute Eigentum von Ueli Schnyder ist. An die Bittprozessionen nach Uttewil können sich selbst die ältesten Bösinger nicht erinnern.

 

 

Prozessionswege und Wegkreuze
Wie im Artikel des Volkskalenders erwähnt wird, steht das Kreuz in Uttewil am Weg einer Bittprozession, die jeweils am Dienstag vor der Auffahrt begangen wurde. Der rund fünf km lange Weg führte von Bösingen über Fendringen und Grenchen (früher offensichtlich über Uttewil) nach Noflen und über St. Anna im Bergholz zurück ins Dorf. An diesem Weg stehen sechs Kreuze und ein Bildstöcklein (St. Anna): Dorfausgang(Fendringenstrasse), Fendringen, Uttewil, Vorstaffels, Grenchen und Noflen. Bei den Wegkreuzen machte die Prozession jeweils einen kurzen Halt, und der Priester erteilte den Wettersegen und betete für die Fruchtbarkeit der Felder und Äcker. Heute kommen die Bewohner der Weiler an den Bitttagen beim Wegkreuz zusammen und halten eine kurze Andacht.
Leider weiss man heute von den meisten Kreuzen nicht mehr, wann und aus welchem Anlass sie errichtet wurden.
Das Wegkreuz beim Dorfausgang (Fendringenstrasse) wird gemäss Pius Käser schon in Urkunden aus dem 18. Jh. erwähnt. Von ihm hat die ganze Umgebung den Namen „Kreuzhubel“ erhalten. Letztmals wurde dieses Kreuz 1998 erneuert. Die Erneuerung wurde auf Initiative der Geschwister der Familie Waeber-Käser (Lehrer Waebers) vorgenommen. Sie haben auch sämtliche Kosten getragen. Die Arbeiten wurden von August Brügger, Zimmermann, und Armin Schmutz, Maler, ausgeführt. Das Kreuz wurde am 14. September 1998 vom Neupriester Pater Johannes Brügger gesegnet. Um die Pflege sorgt sich die benachbarte Familie Engelbert Waeber-Aebischer.

In Fendringen steht seit alten Zeiten ein Kreuz an der Wegkreuzung Fendringen-Grenchen/Bösingen-Schmitten. Das Kreuz wurde letztmals 2009 unter Mitwirkung von August Brügger, Zimmermann und Pius Schraner, Kunstschmied, beide aus Bösingen, erneuert. Martha Clément-Schaller, die das Kreuz seit einigen Jahren pflegt, ist stolz auf die Bewohner von Fendringen, die bei einer Haussammlung 1800 Franken für die Erneuerung des Kreuzes gespendet haben. Das erneuerte Kreuz wurde im Rahmen der Bitttage am 19. Mai 2009 gesegnet.

„Schon immer stand da ein Kreuz“, heisst es im Freiburger Volkskalender 1936 schlicht zum Wegkreuz in Grenchen. 1926 haben die ortsansässigen Familien Käser und Jungo es neu erstellen lassen. Am 25. Mai 1992 wurde im Rahmen der Bittage das erneuerte Kreuz gesegnet. Es wurde auf Initiative von Agnes Käser-Schafer erneuert, die auch die Kosten übernommen hat und das Kreuz pflegt.

Das Kreuz in Noflen wurde gemäss Freiburger Volkskalender 1936 von einer Familie für „glücklich erlangte Hilfe“ erstellt. Es wurde 1934 und 1995 erneuert und jeweils im Rahmen der Bittprozession neu eingeweiht. Die letzte Erneuerung war ein Gemeinschaftswerk von Ernest Ruffieux aus Plasselb, der einen neuen Korpus geschnitzt hat, Hans Gobet aus Noflen, der ein neues Kreuz zimmerte und Manfred Bongard, der das Kreuz mit einem schützenden Dach versah. Die Dorfschaft Noflen sprach einen finanziellen Beitrag aus ihrer Kasse. Die Segnung fand am 19. Mai 1995 statt. Während langen Jahren wurde das Kreuz von Agnes Jungo-Marchon und später von Martha Baeriswyl-Eigenheer gepflegt.

Frage: Am 14. Juni 1907 wurden an der Grenze Laupen/Bösingen zwei Bauarbeiter (Josef Vonlanthen, Heitenried und Eduard Wolhauser, Bösingen?) tödlich vom Blitz getroffen. Gemäss FN vom 30. April 1908 (Nr. 49) wollte man in Erinnerung an sie in Noflen ein Kreuz errichten. Handelt es sich um das heutige Kreuz in Noflen?

Das Bildstöcklein St. Anna ist 2001 vom Bergholz in den Weiler Noflen umgezogen. Der Weg am alten Standort vorbei, wurde in den letzten Jahren kaum mehr begangen, und zudem hat der Wirbelsturm Lothar dem Bildstöcklein zugesetzt. Die Familie Pius Baeriswyl-Bucheli, auf deren Land das Bildstöcklein im Bergholz stand, stellte am Weg Richtung Waldheim in Noflen einen neuen Platz zur Verfügung. Emil Brünisholz hat aus Steinen eine neue Nische erstellt, und Hans Gobet zimmerte ein neues Gehäuse. Ernest Ruffieux, Bildhauer aus Plasselb, schnitzte eine neue St. Anna-Statue. Das neue Bildstöcklein wurde am 3. Juni 2001 von Pfarrer Hermann Kolly, unter Teilnahme zahlreicher Gläubigen, gesegnet. Die ehemalige St. Anna-Statue, eigentlich eine Maria mit Kind, fand einen neuen Platz in der Pfarrkirche.

Bittprozessionen am Montag und Mittwoch
Am Montag vor der Auffahrt führte die Bittprozession vom Dorf Richtung Cholholz, Riederberg, Litzistorf, Richterwil, Fendringen und zurück ins Dorf. Kreuze stehen in Cholholz, Riederberg (zwei), Litzistorf, Richterwil (Kapelle).
Aus einer Inschrift an der Rückwand des Bethäuschens weiss man, dass das Kreuz in Cholholz (auch Lindenkreuz genannt) 1862 an der heutigen Stelle errichtet wurde. Vor der Strassenkorrektion stand das Kreuz näher beim Riederbergstutz. Die wertvolle Christusfigur dürfte aus dem 16. Jh. stammen.

Heute steht eingangs und ausgangs des Riederbergstutzes wieder ein Kreuz. Das neue Lindenkreuz (näher beim Dorf; die alte Linde wurde 1999 vom Sturm Lothar gefällt) wurde im Jahr 2000 von den Familien Feller und Bongard in Riederberg erneuert. Es wurde am 14. Juni 2000 im Rahmen eines Gottesdienstes eingeweiht. Das zweite Kreuz am Riederbergstutz (Richtung Litzistorf) wurde letztmals 1987 von der Familie Erwin Schneuwly in Engelberg erneuert. Am Kreuz hängt die wieder die alte Christusfigur. Es ist überliefert, dass ein früheres Kreuz von „Nachtbuben“ niedergerissen wurde. Die Witwe Marie Bäeriswil-Marchon und zwei weitere Frauen gaben der Kunstwerkstatt Trüb in Bad Bonn eine neue Christusfigur in Auftrag. Anlässlich der Bittprozession 1935 konnte das neue Kreuz gesegnet werden. Wohl nicht ohne Grund wurden am Riederbergstutz Wegkreuze errichtet. Die Überwindung des Richterwilbachtobels mit Fuhrwerken muss in früheren Zeiten ein gefährliches Unterfangen gewesen sein.

Das morsche Kreuz ersetzt
Marcel Schneuwly kann sich erinnern, dass 1941, als seine Familie nach Litzistorf kam, am Standort des heutigen Kreuzes ein morsches Kreuz ohne Christusfigur stand. 1949 hat die Familie ein neues Kreuz errichten lassen. Den Auftrag dafür hat sie dem Holzschnitzer Trüb in Bonn erteilt, der sowohl das Kreuz zimmerte als auch den Korpus schnitzte. Verwendet wurde dafür das Holz einer Eiche, die an einem Bach auf dem Heimwesen stand und vom Wasser unterspült worden war. Die Familie Schneuwly hat das neue Kreuz auf eigene Kosten errichten und in der Zwischenzeit, wenn nötig jeweils auffrischen lassen. Das letzte Mal hat der ortsansässige Maler Pius Boschung den Korpus restauriert und der Sanitär-Installateur Josef Bongard das Kreuz mit einem neuen Dächlein versehen. Gepflegt wird das Kreuz bis heute von der Familie Schneuwly. Jeweils am Dienstagabend der Auffahrtwoche findet beim Kreuz eine Segensandacht statt.

Das jüngste Kreuz
Am Mittwoch führte die Bittprozession vom Dorf Richtung Bachtala, Hubel, Unterbösingen, Tuftera und zurück ins Dorf. An dieser Wegstrecke stehen Kreuze im Hubel (vgl. Lindenkreuz) und in Unterbösingen. Wie Pfarrer Moritz Schwaller im Mai 1951 im Pfarrblatt berichtet, haben sich die Bewohner von Niederbösingen im Heiligen Jahr 1951 einen lange gehegten Wunsch erfüllt und beschlossen, in ihrem Weiler ein Feldkreuz zu erstellen. Es steht dort, wo früher eine Linde stand, heisst es im Bericht. Das Kreuz wurde im Rahmen der Bittprozession 1951 gesegnet.

Das wohl älteste Kruzifix des Sensebezirks
Eine besondere Geschichte hat das Kreuz von Friesenheit (Gemeinde Bösingen, Pfarrei Schmitten). Um 1863 wurde dort die zum Schlossgut gehörende, dem hl. Isidor geweihte Kapelle, abgebrochen. Die ortsansässige Familie Grossrieder hat das Kruzifix der Kapelle sichergestellt und liess damit an der Kreuzung der Wege Fillistorf-Schmitten/Bösingen-Schmitten ein Wegkreuz errichten. 1915 liess sie es erneuern. Als 1979 die Strasse korrigiert und erweitert wurde, musste das Kreuz weichen. Nach längeren Diskussionen wurde das Kreuz 1988 neu erstelllt und steht heute am Weg, der zur Liegenschaft der Familie Grossrieder führt. Etwa zur gleichen Zeit stellte der Kunsthistoriker Hermann Schöpfer bei einer Inventaraufnahme fest, dass die Christusfigur wohl aus dem 14. Jh. stammt und von grossem kunsthistorischem Wert ist und an einem sicheren Ort aufbewahrt werden sollte. Die Originalfigur hängt deshalb heute in der Totenkapelle in Schmitten. Die Figur am Wegkreuz in Friesenheit dagegen ist eine originalgetreue Kopie. Oberhalb der Liegenschaft Grossrieder steht ein zweites Wegkreuz. Gemäss Joseph Grossrieder stand das Kreuz schon immer an dieser Stelle und wurde von der Familie Grossrieder gepflegt. Letztmals liess sie das Kreuz durch Pius Emmenegger, der in Schmitten eine Wagnerwerkstatt führte erneuern. Heute wird das Kreuz von Familie Grossrieder gepflegt.

Friedhofkreuz in Bösingen
Unter dem Vordach der Friedhofkapelle steht ein mächtiges Holzkreuz. Der Kunsthistoriker Hermann Schöpfer schreibt in seinem Kunstführer für den Sensebezirk das frühbarocke Kruzifix dem Freiburger Künstler Hans-Franz Reyff zu. Das Kruzifix stammt aus der Mitte des 17. Jh.

Lourdes-Grotten
Seit 1932 stand in der nordöstlichen Ecke beim Kirchturm eine kleine Lourdes-Grotte. Sie bestand aus Tuffsteinen. Als 1956/57 die Pfarrkirche renoviert wurde, entfernte man die Grotte. Das gleiche Schicksal erlebte die kleine Kapelle in der südöstlichenTurmecke, wo damals die wertvolle Pietà-Statue stand, die heute ein Schmuckstück der Totenkapelle ist.
1958, im Jubiläumsjahr von Lourdes, setzte sich die Jungmannschaft Bösingen, unter dem Präsidium von Charles Schmutz, zum Ziel, in den Sandsteinfelsen am Richterwilbach bei Hahnenhaus eine neue Grotte zu erstellen. Die Arbeiten wurden am Pfingstmontag aufgenommen. Am 11. August waren sie soweit fortgeschritten, dass die Grotte von Pfarrer Moritz Schwaller eingeweiht werden konnte. Bald bedrohten aber Felsabbrüche die Grotte und sie wurde deshalb 1973 aufgegeben.
Darauf bildete sich eine Arbeitsgruppe, die die Erstellung einer neuen Grotte in einem gemeindeeigenen Waldstück im Bergholz plante. Im Herbst 1979 wurde mit dem Bau der Waldkapelle begonnen, in die eine Grotte eingebaut wurde. Am 27. April 1980 konnte Pfarrer Paul Sturny das Bauwerk einweihen.

Wegkreuzfonds errichtet
2003 errichtete die Pfarrei Bösingen einen Wegkreuzfonds. Gespiesen wird dieser durch die Einlage von 11 650 Franken, die aus einem aufgelösten «Kapellenfonds Noflen» stammen. Familien, die ein Wegkreuz oder einen Bildstock unterhalten und grössere Investitionen tätigen, können einen Beitrag aus dem Fonds beantragen.

Quellen: Pfarrblätter von Bösingen, Freiburger Volkskalender, Freiburger Nachrichten, mündliche Überlieferungen. Wer noch weitere Details zu einem Wegkreuz kennt, möge sich beim Verfasser des Artikels melden, damit die Übersicht vervollständigt werden kann.
Schmitten, im Mai 2013/Februar 2014, Anton Jungo